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Don Simon Direkt-Orangensaft

Ich habe einen Direkt-Orangensaft gefunden, der nur pasteurisiert wurde: Don Simon heißt er, kommt gekühlt und in einer relativ hässlichen 1-Liter-Flasche mit und ohne Fruchtfleisch daher, und kostet knackige 1,99.

Dennoch schmeckt der Saft sehr sehr gut, und hat mich das gesunde Glas Saft wiederentdecken lassen – insbesondere in dieser sehr schonend hergestellten Variante.

Zur Erklärung: “Normaler” Orangensaft wird aus “FCOJ” hergestellt, Frozen Concentratet Orange Juice – im Prinzip wird er auseinandergenommen. Dafür wird die Frucht zuerst gepresst (das geht so wie man es kennt) oder Totalverflüssigt, wo die Frucht geschreddert, und dann von Enzymen komplett in Flüssigkeit verwandelt wird. Dem Saft wird dann das allermeiste Wasser entzogen, bis daraus eine orange Paste wird. Da die Aromastoffe an der flüssigen Phase (dem Wasserdampf) hängen wird der erneut destilliert um ein getrennt verkaufbares Aroma-Konzentrat zu erhalten. Am Zielort wird dann das in Blöcken verkaufte, tiefgefrorene Konzentrat mit lokalem Leitungswasser aufgetaut und aufgeschwemmt, mit dem Aromakonzentrat auf einen Basisgeschmack gebracht, und dann mit Konservierungsstoffen, künstlichem Aroma und ggfs. Farbstoff “richtig” eingestellt. Praktischer Nebeneffekt: Der Saft selbst ist keimfrei.
Direktsaft durchläuft nicht die “FCOJ”-Stufe, er wird nach pressen oder verflüssigen direkt (!) in Flaschen abgefüllt. Je nach Geschäftsmodell kommen dann entweder noch ein paar Konservierungsstoffe dazu, oder der Saft wird pasteurisiert, das heißt er wird mit heißem Wasserdampf kurz hocherhitzt um Keime abzutöten, und dann sofort heruntergekühlt, und muss dann i.d.r. gekühlt gelagert werden. Übrigens heißt “direkt” abgefüllt in dem Zusammenhang nicht, dass nicht trotzdem zum Beispiel Zucker zugefüllt wurde. Nur, dass der Saft immer “komplett” war.

Mir schmeckt er jedenfalls sehr gut, und nach meinem Dafürhalten auch besser, als die konzentrierte Ware. Ich werde ihn ob seines Preises aber eher nicht regelmäßig kaufen und trinken. Das ist ja doch ein teurer Spaß gemessen daran, dass ich im Penny 9 Liter Mineralwasser für 2,64 bekomme – und da ist noch mehr Pfand drin, als das Wasser kostet.
Ein Anekdote zum Thema Saftladen: 1998 wurde ein.. Getränkehersteller verklagt, weil er für sein Fruchtsaftgetränk mit dem Begriff “Saft” geworben hat. Der Unterschied ist erheblich: Fruchtsaftgetränke bestehen zu mehr als 90% aus Wasser, Zucker, Aroma und Farbe, und 10% oder weniger sind echter Fruchtsaft.
Das Gericht, immerhin ein OLG, urteilte, der durchschnittlich aufmerksame und mitdenkende deutsche Verbraucher wisse nicht, was unter dem Begriff “Saft” eigentlich zu verstehen ist, weswegen er dahingehend auch nicht getäuscht werden könne – und sprach den Hersteller frei.

1 Kommentar

  1. lampe

    Addendum auf Anfrage: Im Film “Die Glücksritter” (Murphy/Aykroyd) geht es auch um “FCOJ”als Warentermingeschäft – was durchaus der Realität entspricht.

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