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McD vs. KFC

Seit McDonald’s im Rahmen der letzten Aktion einen Chicken Wrap und Chicken Stripes (“Selects”) ins feste Programm aufgenommen hat musste der ultimative Fight kommen: Ronald und der Colonel(*) treten in der Chicken-Disziplin gegeneinander an.

Nochmal für Uneingeweihte die Hintergründe: KFC, früher mal kurz für “Kentucky Fried Chicken”, erklärt sich selbst als der “Chicken Expert”, und gibt an mit einer unheimlich geheimen und ganz besonders tollen 11teiligen Gewürzmischung, die sie auf alles raufstreuen. Und so hat KFC historisch ein rein auf Chicken (und ein paar Beilagen) ausgerichtetes Produktportfolio, während McDonald’s sich ja eigentlich an allem versucht, was man frittieren oder braten kann. Da KFC im Huhngeschäft ziemlich viel Kohle verdient musste McD sich über kurz oder lang an einer Breitseite versuchen. Die kam im Rahmen der letzten Aktion, in der McD direkt zu KFC vergleichbare Huhnprodukte auf den Markt warf. Die Frage ist nur: Wer macht es besser?

Ich bin also losgezogen: Bei McDonald’s gab es 3 Chicken Selects mit Ranch-Dip und einen Chicken Wrap für 5,69, bei KFC gab es 3 Crispys mit Barbecue-Dip und einen Twister für 7,98. Den Twister hätte es mit Käse gegeben, ich habe aber ohne bestellt.

mcd_vs_kfc_gesamtansicht_070623.jpgWährend die McD-Tüte etwas ärmlich wirkt hat die KFC-Tüte ein ziemlich markantes auftreten, und ist auch ordentlich schwer. Auf dem Bild sieht man ganz gut (links KFC-Tüteninhalt, rechts McD), dass KFC hier das bessere Auftreten an den Tag legt – auch was Frischetücher und Servietten angeht.

Zuerst habe ich mir die Wraps vorgenommen. Der Chicken Wrap von McD kostet 1,99, der KFC Twister 3,99. Legt man die beiden Verpackungen nebeneinander kommt man sich bei KFC deutlich besser aufgehoben vor, dennoch bekommt man bei McD knapp ein Gramm mehr (56,89 zu 57,79) für den Euro. Was aber bei Fast Food vor allem zählt sind die inneren Werte. Also munter zugebissen.

mcd_vs_kfc_wrap_kfc_070623.jpgDer Twister von KFC besteht aus zwei Filets, Pfeffermayo, Tomatenstückchen und Salat. Er ist sehr fest gerollt und fällt kaum auseinander, was die stabile Tortilla zusätzlich begünstigt. Leider habe ich wirklich sehr wenig Mayo abbekommen, weswegen der Wrap etwas fade schmeckte.

mcd_vs_kfc_wrap_mcd_070623.jpgDer Chicken Wrap von McD besteht aus einem Filet, Ranch-Sauce, Salat und Käse. Er ist nicht besonders fest gewickelt und fällt rasch auseinander, die Tortilla ist ziemlich weißlich- labberig- gummiartig, und vor allem oben viel zu dick übereinandergelegt.

Von besserer handwerklicher Qualität ist klar der KFC-Wrap, da hat man richtig was zwischen den Zähnen. Leider kann er geschmacklich einfach nicht an die stets hervorragenden McD-Saucen anknüpfen, und fällt darum ein wenig zurück. Einen absoluten Sieger kann ich hier nicht küren. Rein wirtschaftlich ist wahrscheinlich KFC die bessere Alternative, geschmacklich ist es McD.

Dann der eigentlich interessante Teil: Die Chicken Stripes. McDonald’s nennt sie “Selects”, und will für 3 Stück 3,70 haben, bei KFC bestellt man, grammatikalisch spannend, “Crispys”, und muss dafür 3,99 auf den Tisch legen. Beide legen kostenlos ein Dip dazu, bei McDonald’s gibt es um die 50 Gramm von Develey, bei KFC um die 25 Gramm von Heinz. Leider konnte ich keine vergleichbaren Dips nehmen, da McD hier ein bißchen ins exotische schweift, während KFC mit BBQ, Süß-Sauer und Curry eher bodenständig bleibt.

mcd_vs_kfc_stripes_kfc_070623.jpgDie Crispys von KFC sind recht groß, gleichzeitig aber extrem dünn. Die Panade ist schön goldbraun, bröckelt aber gerne auseinander. Sie schmecken leicht fettig (und fühlen sich auch so an), und sind eher etwas trocken und faserig, eben da sie sehr dünn sind.

mcd_vs_kfc_stripes_mcd_070623.jpgDie Selects von McD sehen ein bißchen wie frittierte Insekten aus, was an der komischen Panade liegen mag. Sie schmecken sehr angenehm nach Huhn und der würzigen Panade und überhaupt nicht fettig. Das Fleisch ist zart und nur außen ein wenig faserig – aber nicht saftig.

Hier wird der Etappensieg noch schwieriger. KFC liefert in jedem Fall den größeren Haufen, und auch fast 5 Gramm mehr pro Euro. Jedoch besteht der KFC-Haufen deutlich mehr aus Hülse als bei McD – und man vergisst sehr schnell das Dip: Gemessene 26 Gramm bei KFC in einem kleinen, fast quadratischen Döschen schmecken nicht schlecht, sind aber mit den großflächigen Crispys kaum zu erreichen. Da sind die 55 Gramm von McD in ihrem sehr flachen, runden Näpfchen sehr viel besser in den Mund zu bekommen.
Rechnet man das Dip zum Gewicht des Huhns dazu – denn das Dip ist ja im Preis mit drin, und ohne Dip schmecken beide Stripes hauptsächlich nach Schuhsohle – hat McD um knapp 4 Gramm pro Euro die Nase vorn, zudem schmecken die Dips bei McD sehr raffiniert. Hier kann ich den Sieg daher McD zusprechen.

Ein Unentschieden, ein Sieg für McD – aber das soll noch nicht alles sein: Bei KFC habe ich Servietten und Frischetücher bekommen, während ich bei McD drei mal nach dem Kassenbon fragen musste, bis der Kassierer überhaupt wahrnahm, dass ich mit ihm sprach. Ausserdem musste ich bei McD gut 8 Minuten warten, während die KFC-Bedienung sich sogar die Zeit nahm mir für meinen Besuch zu danken, und mir ein *wunder*schönes Wochenende zu wünschen. Kurz und schmerzlos, dass McD in der Disziplin Ambiente/Kundenfreundlichkeit unmöglich gewinnen würde war von vornherein klar.

Ein Fazit ist nicht so einfach: Beide haben ein mal gewonnen, und teilen sich ein Unentschieden. Sogar in ökonomischer Hinsicht wird es hauchdünn: Bei McD habe ich für den Euro 48,33 Gramm Essen bekommen, bei KFC 48,24, also 0,09 Gramm weniger – was durch abgebröckelte Panadereste noch gedreht werden könnte, und weit-weit im Rahmen der fertigungstechnischen Schwankungen liegt.
Ich entscheide mich – mit reichlich Zögern und Bedenken – dafür, den Sieg McD zuzusprechen: Letztendlich zählt vor allem der Geschmack, und den hat McD leider besser im Griff. Wem aber die McD-Saucen nicht zusagen, der sollte sich sofort KFC zuwenden, denn Essen und Service sind dort fürs Geld einfach ein quentchen besser.

*) Colonel Harland Sanders ist der feixende Onkel, den KFC auf fast alles raufdruckt. Ronald McDonald ist der Clown mit den roten Haaren von McDonald’s.

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