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Öfter mal was neues

Immer wieder fallen mir ganz alltägliche Dinge auf, die andere können, und ich nicht. Das frustriert mich in letzter Zeit zunehmend. Es fiel mir zwar noch nie leicht zuzugeben bzw. zu erkennen dass ich etwas nicht kann (was nicht zuletzt diverse Dinge erklärt), aber ein wenig fehlen mir auch die qualitativen Alternativen. Mein Job ist in letzter Zeit nicht eben erfüllend. Aber sonst bleibt im Daily Busin.. Life halt auch nicht so viel. Außer auf meine Arbeit ausgerichtete Dinge kann ich ja quasi nichts.

Das möchte ich sukzessive ändern. Es ist jetzt nicht so dass ich einen kühnen Plan gefasst hätte, wie ich mein Leben umkrempeln will. Aber gerade im Moment habe ich eher progressiv orientierte Gedanken, und da mein Wochenende mangels Möglichkeit meine Freundin zu sehen sowieso eher mäßig wird kann ich mich gleich richtig in den Frust stürzen – also ran an die körperliche Grundertüchtigung.

Kronkorken mit einem Feuerzeug aufmachen
Es hat mich immer gewurmt Bierflaschen nicht stilecht mit einem Feuerzeug aufzukriegen. Tischkante, Bierkasten – machbar. Nicht gut, aber machbar. Aber mit einem Feuerzeug habe ich das bisher immer nur mit Hängen und Würgen irgendwie geschafft. Es haben zwar schon viele Leute versucht mir das beizubringen, aber die meisten gehör(t)en zur Liga “Da muss man doch einfach nur” – super. Die Aussage ist mir sogar noch lieber als vier Wochen Brechdurchfall. Auch Rachmaninoff aufm Klavier spielen ist einfach. Vielleicht sollte ich den “Einfach nur”-Spruchvariationen mal einen eigenen, mehrseitigen Aufsatz widmen.
Also heute auf dem Weg nach Hause am Kiosk eine Flasche Smirnoff Ice besorgt – anfangs tatsächlich nur mit dem Ansatz sie aufzukriegen, später aber auch mit der dumpfen Gewissheit, dass der Inhalt seine Funktion finden könnte.

Zuerst habe ich die Flasche wie gehabt fest umfasst, das Feuerzeug etwa auf der Mitte des Zeigefingers zum Hebel angesetzt und gedrückt. Schrumms, war es dahin. Mein Lieblingsfeuerzeug. Nun ja, wenn es eh im Arsch ist kann ichs auch gleich weiter probieren. Mal stärker drücken.. okay, das tut weh. Das kann wohl nicht der Weg sein, sonst bricht sich ja auch keiner die Griffel. Und mehr als ein Zischen kam bisher nicht. Pooositiv denken – andere können das auch. Nach einigem probieren und mehreren schmerzlichen Erfahrungen und Feuerzeugverlusten habe ich dann den Ansatzpunkt über den Knöchel probiert, und mit einem kräftigen Ruck hat es tatsächlich geploppt. Der Kronkorken ist sogar richtig geflogen! Zuerst wollte ich die Stelle markieren, wo er liegenblieb, aber Edding geht sogar von Laminat schwer runter – da habe ich das dann doch lieber gelassen.

Es wäre wahrscheinlich zu früh zu behaupten, ich könnte das jetzt. Zwischen dieser Feststellung und dem Status Quo stehen noch ein paar verschlossene Kisten. Aber es war der erste geschaffte Plopp, und dem werden die Tage noch weitere folgen. Bionadenplopps. Natürlich.

Auf den Fingern pfeifen
Schon seit ich wirklich sehr klein war wollte ich immer auf den Fingern pfeifen können. Mein ganzes Jugendleben hindurch hat mich der Frust begleitet das nicht zu können, während allen anderen Menschen das anscheinend in die Wiege gelegt wurde. Sogar meine Mutter musste zum Vormachen antreten – und hat mich mit “Das ist doch ganz einfach” schon früh in positiver Weise prägen können.

Nach dem der Kronkorken gefallen war wollte ich den Schwung (und die Auswirkungen des zu leerenden Testobjektes) ausnutzen, und es einfach versuchen. Erstmal habe ich mit mehreren Leuten gesprochen um zu ermitteln, wie lange man dafür so durchschnittlich zum lernen braucht, und ob es sachdienliche Hinweise gibt. Das Feedback war geteilt, und von “Ich konnte das schon als Kind” über “Kann ich auch nicht” bis hin zu “Keine Ahnung wie, ich mache das einfach” nicht ganz so erbaulich, wie ich mir das gedacht hatte.

Gut. Wenn einem also Live nicht geholfen werden kann bemüht man den indirekten Kommunikationsweg – Google ist immer dein Freund. Nachdem ich nicht weniger als sechs Anleitungen (die sich übrigens fast alle widersprachen) und zehn YouTube-Videos konsultiert und rund sieben Kubikmeter bewegt hatte war ich wirklich frustriert. Nichtmals das leiseste Fiepen hatte sich eingestellt – dafür aber eine gewisse Häme bei den Live-Helferlein.
Aber aufgeben ging gerade gar nicht, also munter weitergesprotzt und gepustet. Verdammt. Es gibt aber auch neunzig Komponenten bei der Kacke zu berücksichtigen: Wo parkt man die Zunge, wie weit steckt man die Finger rein, in welchem Winkel müssen die Finger stehen (sowohl zueinander als auch zum Fußboden), wie straff sollen die Lippen sein, und letztendlich vor allem: Wie fühlt sich das an? Und die zig möglichen Fingerkombinationen, von denen jede die gleiche Menge Fans im Internet zu haben scheint, erleichtern das Vorrankommen auch nicht. Der Frustrationslevel stieg und stieg, bis ich meinen Guardian Angel fand: Alice (und ich meine nicht die Firma).

Endlich mal jemand der das kann UND dafür auch lange gebraucht hat UND nicht sagt, dass er das halt einfach macht UND versucht zu helfen. Und Schwupp, keine acht Minuten später mit dem Alice-System (Mittelfinger, Zunge hoch): DER ERSTE TON! Mensch. Es geht doch! Und dann gleich natürlich mit anderen Fingerkombinationen nachgezogen. Inzwischen beherrsche ich sogar den “cab whistle”, das einhändige Pfeifen. Noch übrig bleibt das Pfeifen ohne Finger, aber ich bin guter Dinge das vielleicht sogar heute noch nachreichen zu können. Ich muss mangels intoleranter Nachbarn (Nachts MUSS man nicht schlafen?) eh noch richtig üben.

Was bleibt? Nun – viel zu tun!

2 Kommentare

  1. Toni

    Sei beruhigt: Ich kann beides nicht – verspüre letztlich aber auch nicht den unbedingten Willen, das zu können. Eine Anleitung fürs Pfeifen wäre dennoch nicht schlecht. ;)

  2. lampe

    Nachdem der Toni gestern etwa 10 Minuten gebraucht hat (ich nur sechs Stunden) muss ich trotzdem mal einen Zwischenstand melden: Vier Finger mangelhaft, kleine Finger befriedigend Mittelfinger befriedigend, Zeigefinger ausreichend. Einhändig A-Okay mangelhaft, Einhändig zwei Finger ungenügend. Ohne Finger ungenügend – ich schaffe ein leises Piepsen, aber ich glaube eher nicht, dass ich damit auf dem richtigen Weg bin.

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