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Online mit dem Handy (30:00)

In Berlin stand ich vor dem Problem ein Notebook zu haben, auf dem zwar alles an Software und Daten drauf ist, was ich brauche, aber keine Online-Verbindung. Wer mal ein paar Tage offline sein musste weiß, wie dumm und beschränkt einem plötzlich ein PC vorkommen kann. Das Hotel wollte mir großzügig Zugang zum WLAN einräumen, hat dafür aber NEUN Euro aufgerufen – und so wichtig war es mir dann doch nicht Modem wäre zwar gegangen, sowas hat ein Notebook ja stets eingebaut, aber dann hätte ich mir erst Zugangsdaten suchen müssen. In dem Zusammenhang wird einem das lustige Problem bewusst, dass man zum auffinden einer Einwahlnummer eigentlich das Internet braucht.

Aus heiterem Himmel fuhr mir dann der Blitz in den Hintern: Das Handy! Handy und Notebook können Bluetooth, ein Kabel brauche ich also nicht, einen Datentarif habe ich – jetzt musste ich die beiden nur noch miteinander bekannt machen. Also durch 790 Dialoge gefuhrwerkt, bis die beiden einander schließlich mochten, Dial-Up-Networking-Protokoll installiert, und LOS!

Doch: Äh. Einwahlnummer, Benutzername, Passwort? Kack kabellose Kommunikation! Wie kommt man da jetzt ran – Dienstag Abend in einem Hotel in Berlin? Mutig habe ich also den Browser im Handy aktiviert, und mir über die T-Mobile-Homepage die Hotlinenummer besorgt.

Die 2202 begrüßt mit einer Live-Stimmen-Hölle: “Sie können sich bei mir wie bei einem Kundenberater informieren. Sie steuern mich, indem Sie mit mir sprechen. Was kann ich für Sie tun?” Okay, also stellen wir die elektronische Maid mal auf die Probe: “Ich brauche die Einwahldaten für das Internet-Gateway”
Zu meiner bodenlosen Überraschung versucht Madame nun nicht einen durch dreißigpunktige Menüs zu führen, sondern reagiert gelassen: “Darüber sprechen Sie am besten mit einem Kundenberater. Einen Moment, ich verbinde Sie”.

Der Kundenberater gab sofort zu, dass er das nicht lösen, kann, sondern dass er mich in die Technik verbinden muss, und bot mir aufmerksam an mich von einer Abrechnung nach Volumen auf eine Zeitabrechnung umzustellen. Ein klein wenig von der Angebotsheischerei genervt habe ich zugestimmt, und mich verbinden lassen.

Nach elf Minuten mäßig musischer Ergüsse ging der Techniker dann ran, und fragt erst mal, was ich denn will. Ohoh.. böses ahnend habe ich mich erstmal im Bett aufgerichtet, das könnte ein längeres Gespräch werden. Wie erklärt man noch gleich, was Internet ist? Also:

- “Ich will das Internet-Gateway mit meinem Handy nutzen, um per Bluetooth mit dem Notebook online zu kommen, dafür brauche ich aber die Zugangsdaten”
(Damit das gleich klar ist: Ich habe Ahnung.)
- “Sie wollen mit dem Handy online gehen?”
(Irgs: Nein, der Handybrowser IST kacke!)
- “Nein, das Handy soll als Modem für das Notebook funktionieren. Ich will nicht mit dem Handy surfen.”
(Ich weiß noch immer, wovon ich rede!)
- “Und dafür brauchen Sie Zugangsdaten?”
(Ohohoh.. Zu-gangs-da-ten. Das ist so Naaame und Passsswort und so.. die braucht man beim anmelden halt)
- “Genau.”
(Zuuu-gaaangs-daaaat-en.)
- “*99#, Benutzer tm, Passwort tm.”
(Öh?)
- “*99# ist die Einwahlnummer?”
(Das kann doch nicht sein. Wieso weiß der das so schnell)
- “Genau. Die müssen Sie in XP dann im Einwahldialog eingeben. Und Name und Passwort sind jeweils tm.”
(Höm.)
- “Ja, äh. Das ist ja einfach. *99#?”
(Da muss doch ein Trick sein.)
- “Genau. Und wenn das nicht gleich klappt müssen Sie im Handy noch das Gateway ändern in internet.t-mobile. Aber bei dem 6233 ist das eigentlich gleich eingestellt. Wenn nicht ist das im Menü unter Verbindungen, Paketdaten, Einstellungen, Ändern, Paketdatenzugangspunkt. ”
(Woher weiß der, welches Handy ich hab? Und vor allem: Woher weiß der so schnell, wie das eingestellt ist?)
- “Ja, prima! Können Sie mich bitte außerdem nochmal auf die Volumenabrechnung zurückstellen, ich glaube, ich muss nur sehr kleine Datenmengen aberufen.”
(Ha: Das ist jetzt der ultimative Test!)
- “Okay, Volumentarif statt Zeittarif, habe ich eingestellt. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?”
(Mist. Ja. Gut. Besiegt.)
- “Ich denke nicht, vielen Dank für die schnelle Hilfe!”
- “Kein Problem, ich bedanke mich für den Anruf und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.”

Man kann über die T-Com ja viel schlechtes behaupten, aber ich war extrem zufrieden mit der Service-Qualität!

Aber zurück zur Geschichte: Gesagt, getan, und – Wunder der modernen Technik, es funktionierte auf Anhieb. Und SCHNELL. Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass das nur im Schneckentempo läuft, aber die Sau ist annähernd so schnell wie DSL bei mir zuhause.

Das ganze hat schon was, und ich habe mich wirklich in Rekordzeit in diese Nummer verliebt. Schön mit Handy und Notebook komplett kabellos rumsitzen und surfen wie eine Wildsau. Schade nur, dass das in Indien alles nix nutzt. Denn: Noch 30 Stunden.

1 Kommentar

  1. die Mel

    Ich fand das alles recht lustig, fg. Vor allem Dein Gesicht, als Dir so schnell geholfen wurde die Mel

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