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Erste Stufe geschafft.

Das wichtigste: Ich bin in Heathrow. Das wundersamste: Meine Koffer sehr wahrscheinlich auch.

Eigentlich ging es gut los. Ich war ja heute morgen bereits extrem gut in der Zeit als ich das letzte mal gebloggt habe, und das hat sich auch so fortgesetzt – mit einem kleinen Zwischenfall, wo was in den Abfluss gerutscht ist, den aufzuschrauben ich mir zwanzig Minuten vor Taxi erspart habe.. was soll auch schon passieren, bis ich wiederkomme.

Der Taxifahrer war puenktlich zur Stelle, und ich hatte passend bereits den Muell weggebracht, alle Lichter aus, die Taschen runtergetragen – es haette also sofort losgehen koennen. Doch halt – aus dem Taxi mal der Freundin noch eine SMS schreiben. Das Handy ist in der Laptoptasche, und die ist im Kofferraum. Wuehlen, kramen. Kramen, wuehlen. Und die Erkenntnis: Da ist das Handy nicht. In der Hosentasche ist es auch nicht, ebensowenig in der Brusttasche. FUCK! Das geht ja gut los. Also schnell noch mal hochgerannt, und das Handy natuerlich ganz unschuldig auf dem Bett liegend vorgefunden, da wo ich es nach dem putzen hingelegt hatte. Auf dem Weg von der Haustuer zum Taxi dann auch noch schoen durch den Regen gelaufen, und ordentlich nass geworden. Aber gut – lieber stark anfangen und dann noch staerker nachlassen, als umgekehrt. Jedenfalls was die Krisen angeht.

Der Taxifahrer war rekordverdaechtig zuegig unterwegs, nett, schweigsam, und hat mich genau wie geplant am Flughafen abgeliefert.

Jetzt wurde es schwierig. Bei der BA geht man ja nicht mehr zu einem Schalter und checkt ein, sondern man muss am Automaten einchecken, und dann die Koffer zum Schalter bringen. Wo da die Ersparnis oder der Vorteil sein soll hat sich mir nicht erschlossen, aber gut. Man will ja alles richtig machen, also den Automaten ueberredet mir das Ticket und die Boardkarte vor die Fuesse yu spucken, und dann prollig am Business Class-”Bag Drop”-Schalter angestellt, zusammen mit einem anderen Fluggast. Man goennt sich ja sonst nichts.
Nach etwa zehn Minuten kam ein schrumpeliger BA-Mitarbeiter, und rief in die Runde: “Hier heute nur nach London” – “Da fliege ich hin” – “Steigen Sie da aus?” – “Nein” – “Dann fliegen Sie heute nicht, bitte am Service-Schalter anstellen” – “Mwie?” – “Sie koennen fliegen und umsteigen. Ihr Gepaeck aber nicht. Sie kommen am Terminal 5 an, und da wird heute kein Gepaeck auf Anschlussfluege verteilt. Bitte stellen Sie sich am Service-Schalter an.” Sprachs, und zog flugs von dannen.
Also der Service-Schalter. Der mit der 29-Meter-Warteschlange. Der Businessclass-Kollege stellte sich als Ami auf dem Heimweg heraus, der leider nicht ganz verstanden hatte, worum es ging. Waehrend dem geduldigen warten kam man sich lustig naeher, tauschte kleine Gemeinheiten gegen die BA untereinander aus, frug sich ob es nicht einfacher gehen wuerde, wenn die BA einfach die Kunden bittet ihre Koffer selbst ins Flugzeug zu tragen.. bis schliesslich das schrumpelige Maennlein wieder auftauchte.
Der amerikanische Mitreisende, der sich offenbar ploetzlich sehr alleine und verlassen vorkam, sprach den Onkel Obermotz daher mutig an, ob er denn nicht seine zwei kleinen Taschen als Handgepaeck aufgeben koenne. “Heute kein Gepaeck auf Anschlussfluege ab London”. Ja, aber ob er denn die Taschen mit in die Kabine nehmen duerfe. “Kein Gepaeck auf Anschlussfluege ab London. Gar keins. Wollen Sie fliegen” – “JA, ich will fliegen, ich will heim” – Das koennen Sie, aber Ihr Gepaeck nicht” – “Ja, aber kann ich es denn mit in die Kabine nehmen?”… ich musste mich dem schliesslich annehmen und warf dem Maennlein den Brocken “Two pieces of hand luggage” hin. Aber das ging dann auch nicht, niemand wuerde mehr als ein Stueck erlauben, auch die BA nicht.
Und ploetzlich liess er das fehlende Stueck Info aus dem Hals: “Wir versuchen Sie jetzt auf Fluege anderer Fluggesellschaften umzubuchen, die nicht Terminal 5 anfliegen. Dann sollte das alles klappen”. Aber? “Aber die Plaetze auf den anderen Fliegern sind sehr begrenzt”. WURGS! Und ich war der letzte in der *verdammt* langen Schlange. Und so sehr viele Maschinen gibt es Samstags morgens nicht nach London. Ich hatte mich so auf meine Lounge gefreut..

(Kleiner Einwurf: Ich hab mir grad eine Cola geholt und gesehen, dass mir gegenueber am Rechner einer sitzt, der AOL Webmail benutzt. Luschdig! So sehen also unsere Kunden aus.)

Derweil hatte der Ami einen anderen BA-Mitarbeiter aufgetrieben, der ihn mit zwei Gepaeckstuecken in die Kabine lassen wollte. Aber nach nur fuenf Minuten war wieder da mit der frohen Meldung, dass sie sein Ticket nicht im Computer finden koennen. Ich frug, ob er denn am Automaten eingecheckt hat: “The machine says ‘See Agent’. [zeigt auf den Schaltermitarbeiter] Here is Agent.” Kicher. Ein Ami mit Humor.

Schlussendlich liess man mich zu einer mutwillig gebrochen Deutsch sprechenden Mitarbeiterin vor. Die warf einen Blick auf das Ticket, sagte sofort “Dann fliegen Sie mal gleich mit der Lufthansa, dann sind sie in London, und alles ist gut”. Na gut. Wenn sie sagt, es werde alles gut, dann glaube ich daran doch, aeh, mal. Nach etwa zehn Minuten kam sie mit dem neuen Ticket und Boardingpass wieder: “Dann gehen Sie jetzt mal bitte rueber zur Lufthansa, checken Sie da ein, und die sollen mich dann wegen dem Gepaeck anrufen”. Ein Blick auf den Flugschein sagt: Der Flug geht in 30 Minuten! Jetzt aber los, denn das lapidare “rueber” bedeutet: In ein ganz anderes Terminal. Also mit drei Gepaeckstuecken die Rolltreppe runter, durch die Drehtuer, etwa nen Kilometer entlang des Gebaeudes, durch die Drehtuer, die Rolltreppe rauf, Lufthansa Schalter. Kackfrech bin ich direkt zum Business-Schalter gelaufen, wo man mich auch direkt vorliess.

Und ab hier wurde die Reise auf einmal angenehm: Die Frau am Schalter war SOWAS von freundlich und nett und verbindlich (!) und entgegenkommend und mitfuehlend, das war schon grossartig, und insbesondere beachtlich fand ich, dass sie dabei niemanden schlecht machte. Einfach ein Mensch, ein Service-orientierter deutscher Mensch! Aber selbstverstaendlich wuerde ich auch bei der Lufthansa Business fliegen. Aber natuerlich koennte ich mir den Platz noch aussuchen. Aber ja, das Chaos bei der BA sei nicht schoen, und sie bedaure die Mitarbeiter, die viel Stress haetten. Ob ich denn noch in die Lounge wolle. Das sei heute leider etwas kompliziert, weil sich die eigentliche Lounge im Umbau befaende, und der Abflug ja auch schon in 15 Minuten.. Ich habe dankend abgewunken, inzwischen einfach froh, dass alles geregelt ist. Sogar das mit den Koffern hat sie hingekriegt und empfohlen, dass ich mich in London nochmal versichere, dass die auch wirklich richtig angekommen sind.

Dann relativ unbemerkt durch die Security und die Passkontrolle geschluepft, ein paar Minuten verschnauft, und dann ging es auch schon wieder weiter – und SCHON WIEDER positiv: Beim einsteigen in die kleinen Maschinen muss ich immer den Kopf einziehen. Gleichzeitig muss ich manchmal aber einen kleinen Schritt machen, wenn die Gangway nicht genau am Eingang steht. Das musste so aussehen, als waere ich fast gestolpert. Und die Stewardess am Eingang des Flugzeugs ganz cool: “Macht nix, ich haette Sie gefangen”. Und ihre Kollegin routiniert: “Und dann haetten sie beide da gelegen”.
Sogar einen gespraechigen und freundlichen Captain hatten wir, der wirklich sehr viel Infos rausliess, was so vor sich geht. Und dann kam die Stimme der Purserette: Einen Tick heller als Dagmar Berghoff, aber die Aussprache vielleicht sogar noch etwas ruhiger. Ich habe den Start gar nicht mehr mitbekommen, so schnell bin ich eingeschlafen..

Nach einem anstaendigen Fruehstueck im Flugzeug habe ich dann hier in London fast eine Dreiviertelstunde damit verbracht zu meinem Terminal zu kommen, und dann nochmal fast eine, um dieses Terminal komplett zu sehen, inklusive der beiden BA Lounges.

Letztere sind uebrigens eher eine Enttaeuschung: Es gibt zwar sowas wie Essen und kostenfreie Getraenke und etwas bequemere Sessel, aber so wirklich der riesige Reisser ist das mal nicht. Und dass es kein kostenloses WLAN gibt hat mich echt angefressen. Oh, und die Broetchen, die es gibt, sind sehr.. naja. Sie machen halt satt. Am schlimmsten finde ich, dass hier wirklich VIELE Leute sind. Natuerlich nicht so viele wie in der normalen Transit-Lounge, aber doch schon so viele, dass es eigentlich nicht mehr ganz gemuetlich ist.
Ich hatte mich wirklich auf die Lounges gefreut, da die auf den Bildern auch ganz phantastisch aussahen, aber die Wirklichkeit ist doch sehr anders. Naja.

Und dann hatte ich noch einen kurzen Herzstillstandsmoment, als der Geldautomat mir drei mal hintereinander sagte, dass er mir kein Geld geben wolle. Ein anderer tat es aber dann anstandslos und ermoeglichte es mir ordentliche Sandwiches zu kaufen.

Tja. Und da sitze ich nun. Gucke zu wie auf der Anzeigetafel mein Flug langsam aber sicher nach oben rutscht, trinke alle Cola leer, schreibe meinen Blog voll, feixe mir eins ueber die armen Passagiere, deren Flug nach New York sie grade gecancelt haben.. werde gleich vielleicht mal schauen, ob ich ein paar Minuten fuer ein wenig Frischluft nach draussen komme.. und das war es auch schon. In genau zwei Stunden sollen wir abheben.. und just gerade eben kam das Gate, Nummer 23. Da dackel ich wohl gleich mal hin, alleine wegen sonst nix vor.

Wir lesen uns dann – auf der anderen Seite!

3 Kommentare

  1. Toni

    Heieiei. Is ja spannender als ein Krimi. *g* Gute Reise weiterhin! :)

  2. Sab

    wenn lampi eine reise tut …. mit dem ganzen theater warste wenigstens beschäftigt und hattest keine zeit gross nachzudenken … ich freu mich auf weitere berichte .. :-)

  3. HP

    Hallo lieber Marco, das ist ja ne tolle Reise… ich hab schon sehr gewartet Freue mich auf mehr…

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