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Im Hotel in Indien

Da bin ich wieder, heute mit einem kleinen Trick: Da ich im Büro kaum wirklich Zeit zum bloggen habe, und im Hotel keine Internet-Verbindung, schreibe ich den Text einfach vor, und stelle ihn später nur noch rasch online.
Während ich schreibe ist es gerade kurz nach neun, und ich liege noch gemütlich im Hotelbett, was mich dazu bringt, dass ich ja davon – also, vom Hotel – noch erzählen muss.Nach den Schrecken des Fluges und der Ankunft hat mich ein fein klimatisierter Wagen des Hotels abgeholt und durch den selbst um fünf Uhr morgens furchtbaren indischen Verkehr sicher und schnell zum Hotel gebracht. An diesem Satz ist übrigens alles wichtig: Die Klimaanlage habe ich echt gebraucht, denn hier in Indien ist es gleichzeitig furchtbar warm und furchtbar feucht, also echtes Äquator-Asien-klima eigentlich. Und es stinkt irgendwie überall. Das hat mich die ersten beiden Tage echt fertig gemacht. Und dann der indische Verkehr, durch den es eine Kunst ist, sicher durchzukommen. Aber dem widme ich ein eigenes Kapitel.

Im Hotel angekommen bekam ich schon gleich eine erste Idee von dem Luxus, den sie hier zelebrieren: Man kommt nicht einfach an, man „fährt vor”. Dort wird einem die Tür geöffnet, der Koffer abgenommen.. allsowas. Und dann natürlich die Ausstattung selbst, die wirklich so großartig ist, wie die Bilder auf der Hotel-Homepage glauben machen. Ich habe selbst ein paar Bilder gemacht, die lade ich aber alle zusammen irgendwann später mal hoch.

Die Mitarbeiter am „Front Desk”, der Rezeption, waren dann auch extrem höflich und zuvorkommend (jeder nennt mich Sir), und haben mir auch mit dem Geld weitergeholfen: Während das in Deutschland das reinste Drama geworden wäre haben die mir einfach 3000 Rupien gegeben, und setzen das dann auf die Hotelrechnung. Ist das nicht mal geil? KEINER in Deutschland kann oder macht das, und ich war in der Situation schon sehr oft, dass mir das weitergeholfen hätte. Aber hier ist das einfach mal kein Problem. Naja, mag vielleicht auch dran liegen dass das ein Luxushotel ist.

Obwohl mein UK-Kollege sagte, dass in Indien und im Hotel alles spottbillig sein würde, trifft das auf das Hotel nicht zu. Hier ist alles Deutschland-und-drüber-teuer. Oder, genauer: Das meiste. Denn das Preisgefüge ist arg seltsam. Während ein Club Sandwich mit knapp 500 Rupien, ganz schön happig teuer (aber lecker) ist, kostet die Creme Brulee nur knapp 200 Rupien, ist dagegen also ziemlich günstig, und übrigens ganz unglaublich lecker.
Und die Hotelpreise sind auch der Grund, warum ich hier kein Internet habe: Die wollen pro 24 Stunden 1000 Rupien dafür haben! Meine indischen Kollegen sagen, dass das durchaus mehr ist, als die indische Bevölkerung im Durchschnitt monatlich verdient. Und dann sind es nicht mal 24 Stunden Vebrauch, sondern 24 Stunden ab Zeitpunkt des bezahlens, was ja logisch kein Mensch jemals braucht.
Gestern Mittag hatten mein frisch angekommener Kollege und ich übrigens das Buffet, und das war dann mit 850 Rupien pro Person sehr günstig und gleichzeitig unglaublich gut. Aber dem indischen Essen muss ich wohl auch ein eigenes Kapitel widmen, denn da gibt es vieel zu erzählen.

Achsoja – zum nachgucken der Preise kann man Google benutzen. Einfach als Suchbegriff eine Summe, und dahinter INR to EUR. Also z.B. 500 INR to EUR. Dann gibt Google direct aus, wieviel Euro das sind. Praktisch, nech?

Zurück zum Hotel. Der Luxus und Service ist wirklich großartig. Beispielsweise bekommt man 24 Stunden am Tag Zimmerservice, inklusive fast allem, was das Hotel an Essen zu bieten hat. Oder das „Housekeeping” kommt mehrmals am Tag um das Zimmer zu machen. Und man muss an der Tür auf einen Knopf „Privacy Please” drücken um sie davon abzuhalten etwa jede Stunde ins Zimmer zu marschieren. Am ersten Tag war ich knapp eine halbe Stunde unten um mir das Hotel anzusehen und ein paar Fotos zu machen. Und als ich zurückkam war das Zimmer bereits gemacht. Und das irre: Ich habe mich dann noch mal zwei Minuten vor Abreise aufs Bett gelegt, und einen Schluck Wasser getrunken (davon gibt es übrigens anderthalb Liter am Tag kostenlos, sogar in diesem Hotel hier). Und als ich Abends wiederkam waren sowohl die Vorhänge zugezogen, als auch das Bett wieder gemacht, als auch die Wasserflasche ersetzt.
Ausserdem bekommt man jeden Tag so komische aber leckere Pralinen hingestellt, man hat eine Obstschale, bekommt jeden morgen zwei indische Tageszeitungen.. Hier gibt es auch kein PayTV, oh nein – jedes Zimmer hat einen DVD-Player, und DVDs kann man sich einfach unten an der Rezeption leihen. Vermutlich aber gegen teuer. Trotzdem ein cooler Service.

Das „Privacy Please” respektieren die übrigens ganz besonders: Als ich mein Sandwich bestellt habe habe ich vergessen das Ding auszuschalten. Ergebnis? Nicht dass der Typ geklopft hätte, oder trotzdem geklingelt. Er hat bei der Zimmerservice-Zentrale angerufen, und die haben dann mich angerufen und mich gebeten ihm die Tür aufzumachen! Und jeden Vormittag zwischen 10 und 11 kriege ich ein Brieflein von meinem Butler Venkat, der meldet, dass er festgestellt hat, dass ich Privay Please wünsche, als er mein Zimmer machen wollte, und dass ich ihn doch anrufen soll, wenn ich irgendwas brauche. Aber Venkat kommt wieder und wieder und wieder, bis er mich final in die Knie gezwungen, und das Zimmer gemacht hat.

Ja, was gibt es noch zu berichten.. vielleicht über die täglich frisch mit Rosenblättern gefüllten Wasserbecken? Über den Hotelgarten? Den Balkon oder die drei Telefone, inklusive einem auf dem Klo? Sehr gute Dusche, Turbo-Klimaanlage, extrem angenehmes Bett, ein etwas zu kleiner Kleiderschrank.. Das einzige was mich sehr verwundert ist der Fernseher, denn das ist noch ein Röhrenmodell! Insofern also fast so antik, wie der Rest des Raumes zu wirken versucht – und das teilweise sogar erreicht.
Überhaupt ist das ganze Hotel von der Ausstattung her riesig. Überall steht irgendwelcher Nippes rum, aber nie übertrieben oder stilfrei. Und der Teppich auf den Fluren ist so hochflorig, dass man darin leicht einen Ozeandampfer verlieren kann.

Trotzdem fallen mir als gutem Deutschen natürlich die Fehler auf. Zum Beispiel und insbesondere die Verkabelung hier. Überall gucken einfach nur Drähte raus, und die meisten Schalter an den Lampen hat das Hotel offenbar selbst zusammengeschraubt. Kein Wunder, dass in Indien überall Feuerlöscher hängen müssen. Sogar bei der Außenverkabelung gucken die Drähte aus den Löchern raus, so als würde es in Indien niemals regnen.
Aber auch so sieht man, dass sie eben nur versuchen perfekt auszusehen, ohne es aber tatsächlich zu sein. Sowas festzustellen ist stets mein liebster Sport. Da wären auf den Gängen nicht geputzte Fenster, Rußflecken der ständig brennenden Lampen, überall rausguckende Kabel, alles vollkackende Tauben, die sich in jeden Winkel der aufwändigen Außenverkleidung setzen, abblätternde Farbe, zerkratzte Scheiben, und so weiter.
Trotzdem sind sie hier noch wesentlich besser als z.B. die Spanier, die es mit sowas in der Regel noch wesentlich weniger genau nehmen.

So viel also zum Hotel. Nächste Stufe ist der indische Verkehr – aber da mein Akku gleich leer ist gibt es diese Geschichte ein andermal.

2 Kommentare

  1. Sab

    gewöhn dich nicht zu dolle an den butler … daheim ist wieder selbermachen angesagt ;-)

  2. Jott

    Kommen die Rosenblätter in dein Waschbecken? Oder nur draußen? Die spinnen, die Inder ;o)

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