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India Assorted

Bevor ich das Abschiedsposting einläute habe ich noch ein paar bunt gemischte Sachen über die Zeit hinweg zusammengetragen, für die sich jeweils einzeln ein Posting nicht lohnt.

Am meisten irritiert in Indien hat mich das Nicht-aus-dem-Wasserhahn-trinken-dürfen. Sogar die Inder machen das nicht bzw. vermeiden es, wenn es irgendwie geht. Naja, ich trinke nicht häufig aus dem Wasserhahn, aber man muss ja sogar die Zähne mit Flaschenwasser putzen! Und das ist ganz schön irritierend – ebenso wie beim Duschen kein Wasser in den Mund zu kriegen.

Das Flaschenwasser ist eine andere Nummer: Jeder hier trinkt “Kinley”, dass ist unbesprudeltes Flaschenwasser von Coca-Cola. Wirklich JEDER trinkt das. Und man kriegt es überall, und quasi für nix hinterhergeworfen. Schmeckt nach nix, aber bevor man Wasser trinkt, und dann drei Tage aufm Klo sitzt..?

Spannend finde ich auch, dass die Inder selbst nicht alle oder immer an diesen Straßenküchen essen. Das Essen, was es da gibt (oder, was man so nennen darf?) RIECHT großartig. Den Indern zufolge ist es aber in der Regel vom Hygienestatus her wirklich ungenießbar, und auch sie würden das niemals essen. Entsprechend frage ich mich, wer denn da ißt, und wieso die alle trotzdem noch leben?

Entlang der Straße findet man, neben den Garküchen, auch immer ganz viele andere Sachen. Zum Beispiel Stände mit frisch (?) gepflückten Kokosnüssen, die live für die Milch aufgeschnitten werden. Stände die vermutlich Zuckerrohr frisch auspressen und den Saft anbieten, Stände wo man Tonwaren, Rattanmöbel, Couchen oder aufblasbare Gummitiere kaufen kann. Und die meisten davon haben übrigens eigene öffentliche Telefone, die offenbar batteriebetriebene Groß-Mobiltelefone sind, denn sie hängen an keinem erkennbaren Kabel. Sieht schon lustig aus, wenn ein Münzfernsprecher auf einem wackeligen Holzhocker steht.

Auch andere spannende Sachen geschehen am Straßenrand: Es stehen immer mal wieder Tuktuks (“Autorikschah” ist der offizielle Begriff) rum, und der Fahrer liegt schlafend daneben, manchmal liegen sogar ganze Familien einfach schlafend rum, viele Leute pullern oder kacken irgendwo hin (hat halt nicht jeder ein Klo hier), man sieht Leute, Kühe, Hunde, Autos, Stände, Bretterbuden, Zelte, Gefährte, Luxusvillen, Polizisten die Dreckhaufen bewachen, Müllcontainer die stinken wie der Schlund der Hölle, Abwassergräben groß wie Autos.

Ein Land der Kontraste ist Indien auch im Bezug auf das Arm-Reich-Gefälle. In Deutschland hat man halt Luxusvillenviertel und Plattenbauviertel. In Indien ist das meiste recht gemischt: Da findet man Bretterbuden und Zelte direkt neben einem sündteuren Luxusshoppingtempel. Und das eigentlich überall.

Ähnlich vielfältig und verworren ist das mit den Sprachen: Da die Inder keinem wirklich was aufzwängen wollen ist die Hauptsprache halt Englisch. Das kann aber nicht jeder. Und da die Leute in Indien wirklich bunt gemischt sind kann es sehr gut passieren, dass man sich mit irgendwem, zum Beispiel dem Fahrer, gar nicht verständigen kann. Abgesehen davon, dass einige der Englisch-Dialekte arg grausig sind.

Kulturell habe ich leider kaum was mitbekommen von Indien. Wir waren zwar in einem Tempel – Hare Krishna – aber der war ehrlich gesagt nicht so prall. Relativ neu, mit Glasfronten und so.. und sogar die meisten Inder selbst sagen, dass man die neueren Tempel eher vergessen kann, und dass man, wenn man die wirkliche Essenz des ganzen Glaubens etc. einfangen will, die Tempel nehmen muss, die paar hundert Jahre alt sind.

Aufgefallen ist mir auch, dass die Inder offenbar immer mal wieder gern irgendwo hinkotzen. Auf den Fahrten zum Büro habe ich bestimmt fünf oder sechs mal sowas gesehen. Das scheint hier ganz normal zu sein – ich vermute, bei all denen, die mal an einer Straßenküche gegessen haben?

Spannend finde ich übrigens auch, dass die Firma für fast alle Mitarbeiter Fahrer stellt. Keine persönlichen, aber halt für den Weg zum und vom Büro. Dafür gibt es hier wirklich VIELE Firmenautos, und wirklich VIELE Fahrer. Und bezahlen tut alles die Firma. Und die fliegen neue Angestellte auch mal gerne von irgendwo ein, und stellen ihnen für den ersten Monat ne Wohnung. Nicht, dass das dann hochrangige irgendwas wären.. ganz normale Agents, wie aus meinem Team. Das finde ich schon recht cool.

Lustigerweise hören die meisten Inder wirklich indische Musik. Ich wusste nicht wirklich, was ich erwartet hatte, aber ein wenig überrascht hat es mich ja schon. Ich meine, klar dass es hier andere Musik gibt als in Deutschland. Aber SO ganz anders und SO rein indisch dachte ich doch nicht. Dennoch gibt es ein oder zwei so richtig komplett “westliche” Sender, insbesondere Radio Indigo hat meine Zustimmung gefunden – eine Empfehlung der französischen Kolleginnen. FM 91.90 in Bangalore, und sogar auch im Web!

Übrigens, in Indien ist alles so anders, dass sogar die Taschentücher anders gefaltet werden, als bei uns. Ganz ähnlich ist es mit den Wäschereien. Die falten zwar nicht grundsätzlich anders, dafür aber sehr viel sorgfältiger: Bei mir in Hamburg gibt mir die Wäscherei ein Hemd gewaschen und gebügelt mit Metallkleiderbügel und Wegwerffolie für 1,50. Hier habe ich 220 Rupien (3,50) für 3 Hemden und 2 Hosen bezahlt, und die Hemden sind mit einem Rückenkarton (auch für den Kragen) und gefaltet in einer festen Plastikhülle gekommen, und sehen eigentlich aus wie neu.

Noch eine Spur dicker trägt die Hotelwäscherei auf. Die Wäsche kommt in einem kleinen Weidenkörbchen mit vier Umschlagblättern, darunter verbirgt sich doppelt umgeschlagenes Pergamentpapier, und darunter dann jedes T-Shirt einzeln in seiner eigenen Pergamenthülle und mit Zwischenfolie. VIER Fotos habe ich verbraucht, um das alles festzuhalten! Für die drei Shirts habe ich aber auch bannig 11 Euro gelassen.

Oh, und, auch anders als bei uns: Um 23:00 Uhr muss jeder Alkohol vom Tisch sein.  Egal ob das Glas leer ist, oder nicht – es muss weggeräumt werden, und bestellt werden darf schonmal gleich gar nicht mehr. Und die Polizei kontrolliert das strikt und offenbar in jedem einzelnen Restaurant, denn wir hatten es schon mehrmals, dass seltsam grimmig blickende (wenn auch ununiformierte) Menschen hinter dem Eigner hertrabten, und neben dem Tisch warteten, bis alles weggeräumt war.

Es gäbe noch soo viel zu erzählen, aber so langsam muss ich zum einen nochmal arbeiten, und zum anderen langsam auch sogar schon wieder los. Gepackt habe ich bereits, bezahlt auch bereits.. wir sehen uns auf der anderen Seite (weiß auch nicht, auf der anderen Seite VON WAS ;)

1 Kommentar

  1. HP

    Also bleiben noch einige Abenteuer für die nächste Reise…

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