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Das Hotel

Während ich bei meinem letzten Bangalore-Besuch ja im hochnotfeinen Leela Palace, dem teuersten Hotel der Stadt, nächtigen durfte, musste ich diesmal eine günstigere Alternative wählen: Das Taj Vivanta.

Taj ist eine in Indien recht große und bekannte Hotelkette, die viele gute Hotels unterhält. Das Vivanta im speziellen ist ein Neubau, gerade mal vor drei Monaten offiziell eröffnet, und liegt – für mich unglaublich günstig – im ITPL. Das ITPL ist ein Business-Park, hermetisch von der Außenwelt abgeschottet, und eine kleine Stadt für sich. Da auch das Callcenter direkt im ITPL liegt ist es für mich vom Hotel aus nur ein Fußmarsch von fünf Minuten bis zum Büro. Damit habe ich gegenüber den Leuten die hier arbeiten einen gigantischen Vorteil, denn die brauchen in der Regel über zwei Stunden bis hierher. Auch ich spare gegenüber meinem letzten Besuch reichlich Reisezeit, auch vom Leela Palace waren es mindestens eine dreiviertelstunde Fahrzeit.

Also – mein Fall ist das Hotel nicht unbedingt. Es ist, wie gesagt, ein Neubau. Allerdings hat man sich nicht an indischem Design versucht, sondern eine postmoderne Geschmacksverirrung in Glas, Stahl und Beton gegossen. Letzteres ist hervorzuheben: Beton ist ein toller Baustoff, wird hier aber, m.E. übertrieben, auch als Dekorationselement eingesetzt. Ob eine unverputze Stahlbetonwand dekorativ ist bleibt dem Betrachter überlassen. Wie gesagt, mein Fall ist das mal nicht.
Die übrige Bauweise ist entsprechend, und scheint sich an den 70ern zu orientieren: Sehr organisch wirkende Formen und kontrastierende, starke Farben.

Das Zimmer ist vor allem funktional: Bett, Dusche und Klo sind da. Mehr braucht man nicht, und viel mehr gibt es auch nicht. Das Bad ist quasi ins Zimmer “eingebaut”, es gibt keinen abgetrennten Raum, sondern nur eine Art Mini-Flur, der als Garderobe dient, von dem dann zwei Glastür-abgeschirmte Zellen abgehen, in denen die sanitären Einrichtungen untergebracht sind. Die Badarmaturen sind, Patriotismus ahoi, von Grohe, und tun ihren Dienst.
Im Hauptraum gibt es ein sogenanntes Entertainment-Center, einen Fernseher der an einem Computer hängt. Kann eine Menge, vor allem die ganze Nacht durch mit einem Lüftergeräusch den Schlaf stören, das jeder Flugzeugturbine Ehre gereicht. Und obendrein habe ich noch nicht eine einzige der Funktionen des Entertainment-Centers auch nur ansatzweise benutzt.

Über das Frühstück am ersten Tag lasse ich mich lieber nicht aus, das war nämlich absolut kein Ruhmesblatt. Aber Tags drauf war man offenbar besser gelaunt, und konnte mit annehmbarem Service, einem geschmacksneutralen Omlette und einer leckeren Rindfleischpfanne – zubereitet vom französischen Oberkoch – aufwarten. Wurst und Käse werden in Spuren auf einer Etagere gereicht, und sind eher.. unbeschreiblich. Dafür gibt es reichlich Sushi. Man braucht ja schließlich was nahrhaftes, nech?

Der Pool- und Spa-Bereich liegt interessant in einem Innenhof, grenzend an eine gewagt richtung Pool abfallende Art von Liegewiese. Da das Gelände von Bürogebäuden und Baustellen gesäumt ist, und die Hotelklimaanlage gut vernehmbar vom nahe gelegenen Dach herunterdröhnt, muss man eventuell gesuchte Idylle schon selbst mitbringen. Einbildung ist aber schließlich auch eine Bildung.

Für das alles bezahlt man 7650 Rupien am Tag, das sind recht stolze 110 Euro. Frühstück inklusive.

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