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Lange Nacht der Industrie – Teil 2

Am Donnerstag haben wir, der Rainer und ich, uns also angeguckt, wie man bei ArcelorMittal Stahl kocht, und wie man bei der HHLA Schiffe entlädt. Und angesichts dessen, was uns da geboten wurde, muss ich ganz klar sagen: Meine Güte habe ich einen behüteten und langweiligen Job.

Bei ArcelorMittal kamen wir bis auf Armlänge an noch rot glühende sogenannte “Knüppel” ran, das sind 20 Meter lange, etwa 10×10 cm große Stahlbalken. Es ist schon ein irres Gefühl wenn man in einer stürmischen, regnerischen, windigen Novembernacht die Hitze von unter einem durchfahrendem glühenden Stahl die Hosenbeine hochwehen fühlt. Und wenn man am Wendelager durch die Hitzewelle von mehreren Dutzend dieser Balken das schwitzen anfängt, obwohl man in zwei Schritten aus der nach draußen hin offenen Halle tritt (Außentemperatur +5 Grad), dann kommt einem das alles sehr unwirklich vor. Genauso wie die durch die Elektroden im Stahlkessel verursachten Magnetfelder, die man im ganzen Körper spürt.

Bei der HHLA war es etwas weniger “Boah”, dafür aber sehr “Whoa” für alle, die etwas von Computertechnik verstehen: Am Containerterminal Altenwerder funktioniert nämlich quasi alles automatisch. Die Container werden von anliefernden LKWs zwar noch mit einer Fernsteuerung runtergehoben – aber sobald sie vom LKW runter sind übernimmt eine Automatik, und parkt den Container im Lager genau da, wo er hin soll. Und mehr noch: Wenn dann das Schiff kommt weiss die Automatik genau, wann sie diesen Container auf einen der vollautomatisch durch die Gegend fahrenden Containertransporter laden soll, der sie dann zur halbautomatisch funktionierenden Containerbrücke bringt. Das alles zusammenwirken zu sehen ist schon enorm spannend, und zeigt wie extrem viel Technik dahintersteht. Da ich Ahnung von sowas habe kann ich das entsprechend würdigen – für die meisten Menschen wäre das aber sicher eher langweilig.

Was mich in beiden Unternehmen etwas traf: Beide “arbeiten” rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Aber bei beiden Unternehmen habe ich zusammen vielleicht 10 Menschen gesehen, die aktiv am Produktionsprozess teilhaben – und das meistens, indem sie auf Monitore schauen, und zusehen, dass die Maschinen im Takt laufen. Besonders im Stahlwerk ist mir das aufgefallen, was man im Fernsehen nicht immer so sieht. Okay, klar – in der Nachtschicht arbeiten überall nochmal weniger Leute, sogar in den Callcentern, wo der Mensch noch ganz unverblümt im Vordergrund steht. Trotzdem hat mich das schon etwas getroffen zu sehen, dass die Maschinen inzwischen sehr gut ohne uns auskommen.

Anyways: Das war eine coole Veranstaltung, und ich werde versuchen da im nächsten Jahr nochmal mitzumachen. Mal gucken was sie dann anbieten – einiges haben wir hier ja noch.

2 Kommentare

  1. JoyntSoft

    Glücklicherweise gibt es aber Tätigkeiten, bei denen Maschinen/Roboter/Computer den Menschen nur bedingt ersetzen können, z.B. Pflege alter und kranker Menschen, Rettungsdienst, Seelsorge. Und bisher habe ich noch keinen Computer gesehen, der intuitiv handeln oder wirklich lernen kann, der in einem “Geistesblitz” Dinge erfinden oder Zusammenhänge erkennen könnte. Das was uns als intelligente Programmierung verkauft wird, ist nichts weiter als ein große Datensammlung, welche mittels vorgefertigter Algorithmen analysiert werden. Erst dann wenn ein Computer(-programm) selbstständig erkennen kann, welche Daten wichtig und wie sie am besten auszuwerten sind, müssen wir uns wirklich Sorgen machen ob einer Herrschaft der Maschinen. Trotzdem find’ ich’s immer irre, wie so’n riesiges Hochregallager oder so’n gigantisches Containerterminal organisiert sind. :D

  2. JoyntSoft

    Ersetze werden durch wird.

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