«

»

Das Dioxin und dessen Lehren

Hilfe-Hilfe: Unser Essen ist giftig! Nach der Pest im Schwein und dem Wahn im Rind ist nun Dioxin im Huhn. Die meisten schreien auf – denn Dioxin im Essen, das geht ja mal gar nicht. Ich nicht – nachdem der NDR aufgeklärt hat, dass es jetzt nicht so ist, dass der Dioxingehalt im Produkt von null auf giftig umgeschaltet wurde, sondern dass “nur” die sowieso bestehenden Grenzwerte überschritten werden, man also “nur” mehr Dioxin als vorher abkriegt, und dass das auch “nur” bei dauerhafter Aufnahme echt schädlich ist.

Ein wenig kotzt mich diese Skandalisierung ja schon an. Heute ist es Dioxin. Vor ein paar Jahren waren es erst das Tiermehl, dann das Hartseparatorenfleisch. Immer mal wieder ist es irgendein Medikament, vorzugsweise Antibiotika, aber im Zweifel auch mal Lipidsenker oder Hormone. Die ein oder andere Grippe, ob Schwein oder Vogel, die ein oder andere Pest, und fürs Rind haben wir stets den Wahn in der Hinterhand.
Natürlich ist das nicht so toll, was die da gemacht haben. Aber während alle auf Harles und Jentzsch schauen – wen schert es da schon bei welchen Futtermittelherstellern jetzt klammheimlich ganze Chargen vernichtet werden? Nicht wegen Dioxin – so dumm (gerissen?) war wohl nur einer. Aber rein logisch hat Harles und Jentzsch ja nicht beschlossen jetzt mal Dioxin ins Futter zu panschen, so im Rahmen einer bösen Weltverschwörung. Das war nur ein Nebeneffekt – der Nutzung von Industriefett als Quasi-Lebensmittel. Was da sonst so an Dreck drin war (oder erlaubterweise drin ist) oder wer das genauso macht ist nicht so wichtig.

Viel mehr als das wundert mich aber der internationale Aufschrei. Gleich in doppelter Hinsicht. Dass Lebensmittel international gehandelt werden ist nicht neu. Wir verlangen ja auch nach Pasta aus Italien, Käse aus Frankreich, Schinken aus Spanien und Tomaten aus Holland. Aber da handelt es sich um, sagen wir mal, Spezialitäten. Und ausserdem handelt es sich um Quasi-Nachbarn in einem gemeinsamen Markt. Das kann man alles irgendwie nachvollziehen und erklären.
Aber  Südkoreaner und Australier nehmen deutsches Huhn und deutsche Eier vom Markt! Wie sind die da überhaupt hingekommen?? Ich mein, Huhn, naja. Das kann man gefroren ganz gut aufm Schiff durch die Gegend fahren. Aber wie bringt man Eier auf einer bezahlbaren Basis frisch bis nach Australien?? Und warum eigentlich? Und warum haben die in Asien nicht selbst genug Huhn? Geflügelpest doch nicht vorbei?

Und, mal Hand aufs Herz: Wenn Australien oder die USA deutsche Lebensmittel aufgrund von Schadstoffen ablehnen, dann kann ich wohl verstehen. Bei Südkorea, naja. Aber die Slowakei? Und vor allem Russland? Russland – da wo sie die radioaktiven Abfälle einer Atomanlage einfach in den Fluss gekippt haben. Russland, wo man gegen Cholera und Typhus geimpft sein sollte. Russland, da wo jeden Monat mehr als doppelt so viel Öl aus Pipelines sickert, als im Golf von Mexiko insgesamt rauskam. DIE beschweren sich über eine Überschreitung des deutschen Dioxin-Grenzwertes, und nehmen deswegen unsere Produkte aus dem Handel?? Manmanman. Ich bin ja schon lange der Meinung, dass wir weiter wären, wenn die ganze Welt mit deutschen Standards laufen würde, so im Bezug auf den Umweltschutz jedenfalls. Aber gut. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

3 Kommentare

  1. JoyntSoft

    Würde die ganze Welt mit deutschen Umweltschutzstandards laufen, wäre nichts anders als jetzt. Es mag zwar sein, dass einige dieser Standards schärfer sind, als anderswo, aber bei den vielen Ausnahmen die es da gibt und bei den besch…eidenen Kontrollen könnte man sich einige der Standards auch sparen. Soll nciht heißen, dass ich solches gutheiße, aber leider wird’s so gemacht.

  2. lampe

    Mit Standards meine ich schon die gelebte Praxis. Nicht das was Regeln, Vorschriften und Gesetze gern hätten. Diesbezüglich hast du natürlich schon irgendwo recht.

  3. JoyntSoft

    OK. Was die gelebte Praxis angeht ist’s hier wahrscheinlich auch ‘n bisschen besser als anderswo – da hast du schon irgendwo recht. ;)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>