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Guten Tag, guten Abend und gute Nacht.

Ich bin gefangen! Gefangen in einem Teufelskreis, gar. Und von meinem Leid mag ich erzählen, auf dass anderen mein Unglück nicht widerfahre.Ich stehe gerne spät auf. Und mit “spät” meine ich nicht acht oder neun. Sondern mehr so nach zwölf.  Und wenn ich die freie Wahl habe, dann kann es auch schonmal passieren, dass ich um fünf aufstehe. Abends, natürlich. Das war schon immer so, solange ich mich erinnere.

Natürlich bringt das so seine Probleme mit sich. Zwar bin ich bisher immer mit Geldgebern gesegnet gewesen, die unter Gleitzeit nicht nur “zwischen acht und halb neun” verstehen. Aber trotzdem möchte man sich ja gerne einfügen. Möchte sich morgens am Kaffeeautomaten treffen. Möchte mit den Kollegen in die Kantine gehen. Möchte dem Begriff “After Work” gerecht werden können.

In diesem Streben begriffen versuche ich also “früher” aufzustehen. Das hat die ersten paar Wochen auch geklappt, und ich habe mich in die morgendliche Rushour eingereiht. Mit der Zeit und dem ausbleiben negativer Kommentare bezüglich eines späteren Erscheinens wurde aus der ambitionierten acht erst neun. Dann halb zehn. Dann zehn. Und inzwischen bin ich bei halb elf.

Das nervt mich. Nicht nur habe ich eine Zielerreichung vor Augen – ich habe auch einen Grund dazu und die Mittel dafür.  Mit besten Vorsätzen verzichte ich also auf alle spätabendlichen Freuden, und versuche auf der Müdigkeitswelle gegen zehn in den Schlaf zu gleiten.
22:30. So. Kann jetzt losgehen.
22:45. Was muss ich morgen eigentlich machen? Ach, nicht so wichtig, jetzt wird erstmal schön geschlafen.
23:00. Dumdidei.
23:15. Was es wohl in der Kantine gibt? Au man, freu ich mich auf das Frühstücksbrötchen!
23:30. Tja. Also.
23:45. Ob ich mal aufstehe? Nein. Nein, jetzt wird geschlafen.
24:00. Gleich muss ich schon wieder aufstehen. Das ist mindestens schon.. sechs.
00:15. Okay. Toilette darf ich mal. Aber ohne Licht!
00:30. Löödelö.
00:45. Jetzt müsste man in Amerika leben. Die können jetzt noch berechtigt wach sein.
01:00. Gleich ist es soweit. Ich spürs. Gleeeeeeich..
01:15. Hätte ich statt zu versuchen zu schlafen Aktien getradet könnte ich schon Millionär sein.
01:30. Wo habe ich eigentlich das Auto geparkt?
Um kurz vor zwei habe ich aufgegeben. Wie man sieht.

Natürlich ist die Geschichte hier nicht zu ende: Wenn gleich um acht der Wecker klingelt haue ich drauf, um noch zehn Minuten zu kriegen.
08:10. Mbflm.
08:20. Das war erst eine Minute, verdammt.
08:30. Das Wetter ist so gut/so schlecht. Da macht es Spass sich nochmal rumzudrehen.
08:40. Naja. Jetzt kann ich auch neun draus machen.
08:50. Neuun.
09:00. Wenn ich jetzt aufstehe bin ich um viertel vor da. Das lohnt dann auch nicht mehr.
09:10. Du blöder Arsch. Naja. Einer geht noch. Dann aber wirklich.
09:20. Ach man. Jetzt ist eh schon wieder egal. Versager.
09:30. Ver-saaaa-ger.
Kurz drauf schaffe ich es dann mit der lyrischen Denke “Wenn du blöder Versagerarsch deinen überbreiten Hintern jetzt nicht gewuchtet kriegst kannst du auch gleich daheim dein jämmerliches Dasein fristen” wirklich und endgültig aufzustehen. Nicht rechtzeitig. Nicht mit einem Lächeln. Nicht einmal als Gewinner gegen das Establishment der frühen Stunde.

Sigh.

1 Kommentar

  1. JoyntSoft

    So ähnlich habe ich es auch schon erlebt. :D

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