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Pringles Select

Zugegeben, ich habe schon drauf gewartet. Deutschland muss sich ja immer mehr dem Einfluss amerikanischer Genüsse beugen (zu meiner persölichen Freude), und entsprechend hat Procter & Gamble jetzt die in den USA bereits etablierten Pringles Select in Deutschland eingeführt.

Zuerstmal musste ich schlucken. Nicht den Sabber runter, sondern so richtig hart: 1,99 für ein 150g-Beutelchen Chips ist zwar nicht teurer als die neuen Exklusiv-Sorten von Lorenz und Chio, aber schon eine echte Ansage. Aber da die Beutel so hübsch lila waren und aus sehr hochwertigem, äh, Plastik, habe ich gleich alle drei Sorten mitgenommen. Welche da wären: spicy szechuan barbecue, perfect paprika und italian cheese with a hint of garlic.
Zwei Dinge werden hier gleich auffällig: Die englischen Produktnamen, die doch “original” klingen, sowie die durchgehende Kleinschreibung. Man scheint zu versuchen sich der Zeit anzupassen, in der alles gleichermaßen englisch wie majuskelfrei ist. Aber das ist nur Schein – wer hat aufgepasst? Genau – perfect paprika. Der durchschnittliche Anglizist kennt das Gemüse als “pepper”, und auch dann nur im Salat und nicht als Chipsgeschmack.  Paprikachips sind eher eine deutsche Spezialität. Siehe: Döner.

Aber Äußerlichkeiten sind Schall und Rauch, was zählt sind die inneren Werte. Also auf die Packung, und frisch losgeknuspert. Doch auch hier wurde ich schnell stutzig. Zuerst wirken die Selects wie “echte” Chips von Pringles – echte Chips werden aus geschnittenen Kartoffelscheiben gemacht, Pringles als Stapelchip aus verpulverter Matsche. Die Selects sind jedenfalls nicht gestapelt, und wirken auch wesentlich weniger uniform als ihre eingedosten Brüder. Spätestens nach der dritten Hand voll Selects fällt einem aber die immer gleiche Dicke der Chips und die – trotz Wellenform – immer gleiche Größe und Grundschnitt auf. Und wenn man mal ein wenig in sich hört spürt man es auch am Knuspern: Das ist kein naturgegebenes Gewebe, was da unter Muskelkraft zersplittert, sondern angewandte Chemie.

Nun gut – drücken wir beide Augen zu, betrachten auch die Chips selbst mal als Beiwerk, und konzentrieren uns stattdessen auf deren innere Werte, nämlich den Geschmack.

perfect paprika: Ich vermute es liegt daran dass ein anglizistisch dominierter Nahrungsmittelgigant mit Paprikageschmack nichts anfangen kann – jedenfalls trennt dieses Produkt von perfekt noch eine ganze Menge. Der Geschmack ist sehr dezent und hat damit gewisse Schwierigkeiten den Eigengeschmack der, äh, Chips vollständig zu überdecken. Dadurch hat man schnell einen faden Beigeschmack im Mund, welcher eher an alten Schinken als an Kartoffelchips erinnert. Ich war jedefalls froh als die Tüte schließlich “Perfekt” war: Abgeschlossene Vergangenheit.

italian cheese with a hint of garlic: Obwohl ich ja der englischen Sprache durchaus zugeneigt bin denke ich beim lesen des Produktnamens (sofern man das als Name bezeichnen will?) immer “Was für ein Stuss” – und das schon bevor ich die Packung geöffnet hatte. Der Gedankengang festigte sich danach, denn die Chips schmecken weder nach Käse, noch nach Knoblauch. Sie schmecken allerdings durchaus erkennbar danach, wie ein Chemiker sich – nach 20 erfolgreichen Dienstjahren – den Geschmack von Käse und Knoblauch vorstellen KÖNNTE, falls er gerade aufgrund einer Erkältung eingeschränkt dienstfähig ist.

spicy szechuan barbecue: Hier kommt zum ersten mal der Pringles-Effekt wirklich zum tragen – wer weiß schon wie szechuan barbecue wirklich schmeckt? Interessanterweise habe ich beim Blindverkosten irgendwann wirklich an verschiedene asiatische Gerichte, die auszukotzen mir vergönnt war, gedacht. Insofern schmecken sie erstmal nicht schlecht. Bei fortgesetztem Genuss bildet sich auf der Zunge und im restlichen Mund jedoch so eine Art Geschmacksfilm, der nach einem besonders guten Jahrgang Motorenöl schmeckt. Da sich dieser Geschmack auch auf aufgestoßene Luft erstreckt, und ich morgen in der Firma nicht gerne wie eine Raffinerie riechen mag, habe ich die Tüte recht bald beiseite gestellt.

Zusammengefasst kann man sagen, dass sicher für jeden geschmacklich etwas dabei ist – sofern man sich auch hier der Meinung anschließt, dass das Neue Freunde braucht. Ich werde diese Pringles eher nicht mehr kaufen, da mir der Geschmack durchgehend zu wenig ausbalanciert und zu aufdringlich ist. Schade drum – aber vielleicht bessern sie bei einer neuen Sorte ja nach.

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