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Ein gutes Brot

Ich gebe gerne zu, dass ich Brot mag. Jedenfalls grundsätzlich – Verbrechen der Marke Fitness-, Jogging-, Joghurt und AOK-Brot sind davon mal ausgenommen.

Früher, in der Eifel, da gab das noch richtiges Brot. Das wurde früh morgens von fleißigen Bäckerhänden zurechtgemacht, und vor allem von einem Bäcker den man selbst kannte – und bei dem man relativ sicher sein konnte, dass sich das zurechtmachen nicht auf TK-Teiglinge aus dem schönen Polen bezieht. Mehl, Wasser, Salz, Hefe/Sauerteig. Und sonst nix.

Mit dem Umzug nach Hamburg war es mit der gebackenen Herrlichkeit vorbei. Hier gibt es kaum noch “richtige” Bäcker, dafür ist Kamps überall. Also habe ich verpacktes Brot im Supermarkt gekauft. Das ist billig, lange haltbar, geschnitten, und kommt in Portionsgrößen daher, die selbst ein SInglehaushalt mal komplett schaffen kann (“Schneiden? Nur ab 2 Kilo.”). Ausserdem fand ich den Slogan “Frisch wie Harry” lustig.
Grundsätzlich möchte ich an dieser Herangehensweise auch keinen Zweifel lassen: Das Brot schmeckt ordentlich, und trotzdem es aus einer Fabrik kommt muss da nicht nur Scheiße drin sein: Der kleine Bäcker um die Ecke hat viel mehr Antrieb sich an Backmitteln zu versündigen, denn bei dem muss in kurzer Zeit 100% “Qualität” stehen.

Seit die Firma umgezogen ist ist direkt über die (einspurige) Straße ein Bäckerladen in Reichweite, der mich schon des öfteren überrascht hat. Der lustige Name “Dat Backhuus”. Beim Backhuus, das man hier in Hamburg öfter findet, preist man derzeit als besonderen Kundenservice an, dass man jedes der Brote auch geschnitten kriegt – und zwar ab Mindestabnahme EINER Scheibe. Da ich beim Backhuus auch jeden morgen mein Käsebrötchen kaufe – und zufrieden bin – habe ich mir also nun einen Ruck gegeben und deren Brot probiert.

Der erste Test war naja. Die Brotsorten hatten mir schon gleich nicht gefallen, aber von den 11 “stets vorrätig”en Sorten waren 4 gerade aus. Also das nächstbeste – und das ist, wie ich immer wieder merke, meist eine Kackwahl.
ABER heute! Unscheinbares Brot- nennt sich “Ausgehobenes”. Ich habe fast eine Stunde gegoogelt um rauszufinden was das heisst, aber selbst gestandene Bäcker mit 20 Jahren Erfahrung gaben zu den Begriff noch nie gehört zu haben. Jedenfalls passt die Beschreibung, die ich fand: Dunkles Sauerteigbrot, stark Roggenhaltig, dunkle, feste, grobe Kruste, grobe Porung, charakteristischer Geschmack, angenehme Säure, deutliche Röstaromen.

Ein HAMMER von einem Brot! Falls jemand Ratatouille kennt: So wie Ego habe ich mich gefühlt, und mir ist sogar auch der Stift aus der Hand gefallen (ich habe eine trockene Scheibe im Büro gekaut, deswegen..)! Mit Butter und einem guten Käse würde ich das geschmacklich irgendwo knapp unter einem guten Steak einordnen. Und das von mir.

8 Kommentare

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  1. Monsterkind

    <> Ich werd mal schauen, wo bei mir das nächste Backhuus ist :P

  2. Monsterkind

    Doofes Blog, nimmt mein Zitat nicht an: How do you tell how good bread is without tasting it? Not the smell, not the look, but the sound of the crust. Listen, oh symphony of crackle. Only great bread sound this way.

  3. lampe

    Oh, lustig – DARAN hatte ich gar nicht gedacht. Mehr an die Szene mit Ego als er das Ratatouille probiert.

  4. lampe

    BÖH! Backhuus gewesen, Ausgehobenes verlangt, Scheiße gekriegt. Lasst euch gesagt sein: Nicht jedes Ausgehobene ist DAS Ausgehobene.

  5. Jott

    Nur ein U im Namen, aber sonst: Ja, für ne Kette ein ziemlich guter Bäcker. Es gibt durchaus auch noch unabhängige Bäckereien in der großen Stadt, aber die sind nicht immer der Bringer. Ich persönlich mag auch einige von den Hansebäcker-Broten.

  6. Jott

    (Was an dem Namen lustig ist, frag ich mich aber doch?)

  7. lampe

    The Neverending Brotgeschichte: Heute auf Nachfrage hin ob das, was sie mir damals als “Ausgehobenes” verkauft haben denn auch wirklich “Ausgehobenes” heißt bekam ich beraternderweise einen neuen Namen: Vielleicht sei es auch Münsterländer. Das gäbe es aber immer nur Dienstags, weil Montags der Teig 24 Stunden gehen müsse. Da das einer ordentlichen Sauerteigführung entspricht werde ich also morgen das Münsterländer versuchen – wäre nicht das erste mal, dass die guten Sachen von dort kommen. Dass ich das leckere Brot Montags gekauft hatte, es Münsterländer aber immer erst Dienstags gibt, ist eine Unvereinbarkeit, die ich derzeit aus Hoffnungsgründen noch hintenanstelle.

  8. Carlee

    So true. Honesty and everything reiodnczeg.

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