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Nur bedingt gut

Viele fragen, wie es mir geht. Die Antwort ist: Den Umständen entsprechend gut.

Das klingt natürlich erstmal wie “Eigentlich Scheiße, aber muss ja”. So ist das natürlich nicht. Dennoch muss ich gestehen, dass mir das ein oder andere schon so rein körperlich zu schaffen macht.

Als erstes wäre da mal die Zeitverschiebung. Indien ist im Moment 4,5 Stunden vor uns, mir kommt es aber eher wie fünf Stunden vor – und entsprechend fehlt fast ein drittel Tag einfach mal so. Ich kriege die europäische Zeit einfach nicht raus – wenn es hier anfängt dunkel zu werden ist es bei uns grad mal früher Nachmittag, was zusammen mit der inzwischen ja recht langen Helligkeitsdauer schon arg irritierend ist. Dazu kommt, dass in Indien die Tage im Sommer pauschal kürzer sind als bei uns. Bangalore liegt nicht besonders weit vom Äquator weg, wo die Tageslänge fast ganzjährig 12 Stunden ist, und lange Sonnenuntergänge wie bei uns gar nicht bekannt sind. In 20 Minuten ist es komplett dunkel.

Mein zweites Problem ist die Wärme. Hier ist im Moment Hochsommer, entsprechend heiss ist es draussen. 30-35 Grad sind normal. Zusammen mit der leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit ist das schon eine kleine Sauna für sich. Die Räume sind zwar ausnahmslos alle klimatisiert (da sind die Inder – aus gutem Grund – viel weiter als wir), aber die dauernd klimatisierte Luft ist natürlich auch nicht unbedingt der Hit, wenn man es nicht gewohnt ist.

Das dritte Problem ist eher subtil – die Luft ansich: Bangalore liegt auf fast 1000 Höhenmetern. Das ist beachtlich. Entsprechend sind der Luftdruck und der Sauerstoffgehalt ganz anders als in Hamburg, das praktisch auf Meereshöhe liegt. Das wird verstärkt dadurch, das Bangalore in jede Richtung fast 400 Kilometer vom Meer entfernt liegt, und durch die ganzen Autorikshas, die sowas wie einen Kat höchstens vom Namen her kennen, ist die Luft doch ziemlich dick und schmutzig. Das ist hier in Whitefield, am Aussenrand von Bangalore, zwar weit weniger schlimm als im Zentrum der Stadt, aber trotzdem merkt man, dass man sich nahe eines Molochs aufhält. Andere Faktoren wie viel Staub durch ungeteerte Straßen und eklige wilde Müllhalden tragen zum Problem auf ihre ganz eigene Weise bei.

Das vierte Problem ist das indische Essen. Es schmeckt mir gut und ich vertrage es auch recht gut, einen Saumagen hatte ich ja schon immer. Trotzdem merke ich natürlich schon, dass da was nicht “richtig” ist. Die Zusammensetzung der Nahrung ist ganz anders, und die Abwesenheit der Konservierungsstoffe und anderer Chemikalien dürfte auch am Verdauungstrakt nicht spurlos vorbeigehen – wenn auch sicher eher zum guten.

Das fünfte und letzte Problem ist natürlich selbst verschuldet, die langen Arbeitszeiten. Aber das liegt mehr daran dass es hier sonst genau gar nichts für mich zu tun gibt. Alleine mag ich den relativ sicheren und behüteten Businesspark nicht verlassen, und die Menschen um mich herum arbeiten natürlich durchaus alle normal weiter. Abgesehen davon finde ich auch, dass die Firma ein Schweinegeld dafür bezahlt dass ich hier sein kann, und es sich darum einfach “gehört” ein wenig mehr als sonst zu tun. Gepaart mit der Langeweile im öden Hotel ergänzt sich das zwar gut, aber ist natürlich auch etwas, was man merkt.

Insgesamt geht es mir absolut nicht schlecht oder so, aber mit allen Faktoren zusammen ist mir halt auch nicht nach Bäume ausreißen bzw. singen und tanzen.

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