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Deutscher Untertitelwahn

Beim durchstöbern von Filmlisten bin ich mal wieder auf eine deutsche Unart gestoßen: Die Untertitel zu filmen. Damit meine ich nicht den Text für hörgeschädigte (obwohl die auch gelegentlich jenseits des Vorzeigbaren sind), sondern diese Zusatztitel mit Bindestrich.Die meisten Filme, die man in Deutschland so zu sehen bekommt, kommen ja aus dem fernen Amerika. Und entsprechend sind die Titel dann auch in Englisch. Die zu übersetzen finde ich jetzt gar nicht so verkehrt – genügend Anglizismen verwenden wir auch so.

Eine reine Übersetzung anhängen (Sneakers – Die Lautlosen) oder bei wirklich in Deutschland unbekannten Termini irgendeine Erklärung mitliefern (187 – Eine tödliche Zahl), nuja. Das finde ich nicht notwendigerweise toll, bei einigen Dingen machts aber Sinn. Die Amerikaner würden einen Filmtitel wie “Hartz IV” vermutlich auch ergänzen müssen.

Aber wa-rum muss der deutsche Michel völlig unnötigerweise an relativ eindeutige Filmtitel einen Bindestrich, und dahinter irgendwelches Gesülze anhängen? Keine Ahnung was ich meine? Okay, schauen wir mal. Oh ja – ein wunderbares Beispiel ist immer “Beverly Hills Cop”. Den nennen wir auf deutsch auch “Beverly Hills Cop”.  Aber der offizielle deutsche Kinotitel lautet: “Beverly Hills Cop – Ich lös den Fall auf jeden Fall”. Wäh? Ich lös den Fall auf jeden Fall? Ganz ehrlich, da wäre mir “Beverly Hills Polizist” sogar noch lieber gewesen.

Oder wie wäre es mit “Good Fellas”. Zugegeben, den zu übersetzen wird schwierig. Gute Kerle? Nette Burschen? Ja, alles nicht so einfach, wenn man den Inhalt des Originals rüberbringen will. Aber “Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia”? Warum nicht einfach “Der neue DeNiro-Mafia-Film”. Oder, wo wir schon bei der alten Runzelstirn sind, wie wäre es mit “Backdraft”. Kam in die deutschen Kinos als “Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen”. Warum nur, warum? Insbesondere wenn man sich entschließt den originaltitel beizubehalten?

Alles alte Kamellen, und heute ist das sicher besser? Bitte sehr: “Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken”, von 2005. “About a Boy” haben wir sogar noch mehr verunstaltet, wie kann man einem Film den offiziellen deutschen Titel “About a Boy oder: Der Tag der toten Ente” geben? Nein, das ist kein Scherz – so heisst der.

Sollte ich das verstehen? Sollte man es einfach hinnehmen? Ich weiss es nicht.. seufz!

3 Kommentare

  1. JoyntSoft

    Schön sieht das nicht aus, aber was willst du dagegen tun? Nicht in’s Kino gehen? OK – hat bei mir aber eher den chronischen Geldmangel als Begründung. Außerdem mag ich Knios nicht besonders. Keine DVD kaufen? Für mich keine Option – ich brauche das! Demonstrieren? Ebenfalls keine Option, außer vielleicht im Sommer. Zudem werden die Filmverleihfirmen drauf sch… (denke ich ;) ) Was ich allerdings nicht mag, sind Anglizismen im Alltag: WC-Center, Info-Point, Sale, Info-Hotline, etc. Bei Filmtiteln sehe ich, genau wie du ja auch, keine Notwendigkeit, den Krams auch noch zu übersetzen. Dann heißt der Film halt “Backdraft” oder “Goodfellas” oder “Beverly Hills Cop”, wer wissen will, worum’s geht, der soll ihn sich ansehen! Bei “Das Boot” kann man ja auch nicht unbedingt vom Titel auf den Inhalt schließen. Und “American Pie” war auch ohne Bindestrich erfolgreich (wobei ich gestehen muss, dass ich keinen Zugang zu diesem Film finden konnte). Aber egal: Hauptsache Filme gucken – ich brauch mehr Input :D

  2. lampe

    Naja, naja – was die Anglizismen angeht, da habe ich pauschal nicht SO viel gegen. Viele Wörter weisen die beiden Sprachen auch so schon Ähnlichkeiten auf (Option, Film, Video, Information..), andere Wörter gibt es im reinen Deutsch gar nicht als einzelnes Wort (Star, Interview), und wieder andere Wörter klingen auf Deutsch einfach mistig (Top 10, Job). Ein interessanter Fall sind die im deutschen benutzten englischen Wörter, die die so gar nicht kennen (Handy, SMS). Aber GAR nicht gehen Sätze wie “Hier findest du immer die neusten Handyspiele und Handygames”, “Hier triffst du süße Boys und Girls”, “Coole News und Infos für dein Handy”, sowie die ekligen Eindeutschungen der Marke “gedownloaded”. Zu letzterem muss ich mich aber auch schuldig bekennen – ich habe mehr als ein mal Sätze wie “Da müssma uns ml zum brainstormen meeten” gesagt. Was die Filmvorschläge angeht: http://www.videobuster.de/top_dvd_verleih_all_time.php.

  3. JoyntSoft

    Hmmm – also Video, Option und Information sind definitiv keine Anglizismen, sondern schlicht Fremdwörter. Und SMS ist schon ok – wird nur falsch bewendet. “Handy” finde ich auch zum Göbeln. Aber geh mal in’ Laden und bestelle eine Guthabenkarte für dein tragbares Fernsprechgerät – es gibt Verkäufer, die damit nichts anfangen können. ;) Der besch… Satz, den ich je hörte war (von einer deutschen Musikgruppe, die deutsch singt): “Wir waren bei der Performance halt heavy zu handeln.” *schudder* “Band” statt “Musikgruppe” würde ich aber sogar durchgehen lassen :D Ich downloade mir jetzt ers’ma’ ‘nen vernünftigen Benchmark, damit ich mal checken kann, ob sich die MultiCoreCPU mit meinem neuen Mainboard und dem größeren RAM auch ordentlich performt… *MUHAHAHAHAHA*

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